Das Kind beim Jesuskinde

Süße Mutter, sei gegrüßet!

Zeig’ mir doch dies Kindelein,
Das dein reiner Arm umschließet;
Sag’: Ist das mein Brüderlein?

Schaut so ernsthaft und so sinnig,
Blickt so zärtlich doch und lind.
Sel’ge Mutter, fromm und innig,
Ja, Du hast das schönste Kind. -

Kind, was bring’ ich nur für Gaben
her in Deinen dunklen Stall?
Willst Du all mein Spielzeug haben,
Meine Puppe, meinen Ball?

Alle Blumen will ich bringen,
Die in meinem Garten stehn,
Will dir singen, will Dir springen,

Nimmer wieder von Dir gehn.

Sag’ mir nur: Was soll ich machen?
Kränz’ und Krönlein, bunt und blank?
Soll ich weinen oder lachen?
Willst Du Flöt- und Zitherklang?

Was Du willst, das sollst Du haben,
Gib mir nur Dein Händelein. -
Fahrt nur hin, ihr andern Knaben
Ich kann eu’r Gespiel’ nicht sein. -

Lass mich eine Stell’ erwerben,
Kind, im Reich, das Du erwirbst!
Lehr’ mich beten, lehr’ mich sterben,
Wie Du lebst und wie Du stirbst.

Nun, Maria, voll Erbarmen
Reiche mir Dein Kindelein!
Dass ich zärtlich in den Armen
Wiege solch ein Brüderlein.

Luise Hensel 1798 - 1876